Helmut Wahmhoff: Unterm Dom der sieben Eichen

07.02.2022

Aus dem Ideal wurde Wirklichkeit:

Ein neues Acrylbild ziert die Villa Sieben Eichen, unseren Hauptsitz in Oldenburg. Helmut Wahmhoff erinnert mit einem Gemälde an deren Bauherrn Alexander von Rennenkampff (1783 – 1854).

Der Schriftzug „Unterm Dom der sieben Eichen“, der Name und die Lebensdaten des Freiherrn Alexander von Rennenkampff prangen zusammen mit viel Eichenlaub auf einem vergoldeten Holzrahmen in den Maßen 220 cm x 150 cm. Der beeindruckende Rahmen umfasst ein ebenso beeindruckendes Acrylbild, gemalt von Helmut Wahmhoff im Jahr 2021.

Wir sehen die Begegnung des jungen Johann Wilhelm Tischbein im Oldenburger Schloss mit Alexander von Rennenkampff, seinerzeit Kammerherr des Erbprinzen Paul Friedrich August. Zu den größten Verdiensten Rennenkampffs gehört, dass er für den Großherzog einen 44-teiligen Bilderzyklus mit Idyllen, gemalt von Tischbein, erfolgreich vermittelt hat. Tischbein war Hofmaler am Oldenburger Schloss und baute einen Teil der Gemäldesammlung des Großherzogs auf, womit sich eine Ausstellung im Augusteum im letzten Jahr beschäftigte. Einen kleinen Teil der Idyllengemälde sieht man auch auf dem Bild von Wahmhoff, direkt unter einem Landschaftsgemälde mit einem lichtdurchfluteten Gebäude, welches durch die Leuchtfarbe den Blick an sich heftet. Das dargestellte Landschaftsbild ist angelehnt an Tischbeins „Ideale Landschaft“ aus dem Jahre 1817. Überhaupt arbeitet Wahmhoff in seinem „Wimmelbild“, wie er es nennt, mit vielen Zitaten und Hinweisen. Unverkennbar hängt an der Wand Tischbeins berühmtes Goethebildnis, allerdings hier verkleinert, vielleicht eine Skizze und nicht das spätere Großformat. Auch findet man dort Goethe als flüchtige Federzeichnung, gezeigt wurde diese im Sommer 2021 in der Ausstellung im Schloss „Licht des Südens“, wo Wahmhoff sie entdeckte und gleich für sein Auftragsprojekt einplante.
Tischbein tritt ein mit Wanderstab, Malzeug auf dem Rücken und Sonnenhut in der Hand, womit auf seine Italienreise und Begegnung mit Goethe im Jahre 1786 verwiesen wird. Rennenkampff empfängt ihn am Schreibtisch mit einladender Geste und zeigt auf seine Ideal-Villa, einem Ort der physischen Begegnung und des philosophischen Austausches.

Der Kammerherr ist in königliches Blau gekleidet und strahlt eine gewisse Autorität aus, er delegiert. Zu seiner Welt „Unterm Dom der sieben Eichen“ gehören neben der großzügigen Räumlichkeit eine Ehefrau/Kinderfrau und drei Kinder im unterschiedlichen Alter (Rennenkampff war Vater von insgesamt sechs Kindern und hatte vor allem gegen Ende seines Lebens gerne die Familie um sich). Es tummeln sich aber auch eigentümliche Wesen in diesem Raum: Nymphen schweben über dem Boden, entweichen Schubladen und thronen in Baumkronen, Eichen selbstverständlich. Diese knorrigen Bäume sind nicht nur auf dem Landschaftsbild zu sehen, sondern befinden sich auch im Saal des Schlosses, treten von der Natur in den umbauten Raum und bilden die Kuppel des Schlosssaales, des Doms.

Spätestens bei dieser Wahrnehmung erkennt der Betrachter, dass er es nicht mit einer authentischen Begegnung zu tun hat, sondern mit einer fiktiven. Und tatsächlich ist nicht alles wahr, was hier auf dem Bild gezeigt wird. Tischbein, geboren 1751, gestorben 1821, war kein junger Mann, als er den Auftrag von Rennenkampff bekam. Im Gegenteil, er erhielt den Auftrag 1819, lieferte bereits 1820 und starb ein Jahr später. Es ist nicht einmal überliefert, ob Rennenkampff und Tischbein sich jemals physisch begegnet sind. „Es ist natürlich viel spannender einen jungen Maler mit Visionen und voller Eindrücke nach einer Reise darzustellen, als einen alten, kahlköpfigen Hofmaler, kurz vor seinem Tod. Denn hier steht das Ideal, die Vision im Vordergrund des Gemäldes, nicht die Wirklichkeit oder gar Ernüchterung“ (Wahmhoff).

Zur Wirklichkeit von Alexander von Rennenkampff gehört, dass er eine erstklassige Ausbildung genossen hatte, ebenfalls Italienliebhaber und -kenner war, sich mit namhaften Gästen in seinem Haus traf (Caroline von Humbold) und Gründungsmitglied und erster Direktor des Naturhistorischen Museums in Oldenburg war, worauf im Gemälde eine Glasvitrine mit einer Schmetterlingssammlung und anderen ausgestopften Tieren hinweist.

Die Villa „Sieben Eichen“ in Osternburg, direkt neben der Dreifaltigkeitskirche an der Cloppenburgerstrasse in Oldenburg, wo auch heute das Grab von Rennenkampff zu finden ist, hat dieser 1816 erbauen lassen. Es war das erste Projekt, klassizistische Architektur außerhalb der Stadtgrenzen von Oldenburg zu etablieren und sollte Vorzeigebeispiel für weitere sein.

Heute erscheint die klassizistische Villa, die nach einem Umbau 1860 eine Aufstockung und ein neogotisches Risalit bekam, wieder im alten Glanz. Der Unternehmer Carsten Meyer hat das historische Denkmal erworben und von 2015 bis 2017 sehr aufwendig restauriert und seine Firma dort untergebracht. „Es war mir von Beginn an wichtig, dass man möglichst viel von der Historie erhalten und trotzdem eine moderne Nutzung verfolgen konnte.“

Mit dem Auftragsbild von Helmut Wahmhoff, welches seit Anfang 2022 in der Villa „Sieben Eichen“ im Treppenhaus installiert ist, wird der Historie einerseits voll Rechnung getragen und es eröffnet dem Betrachter aber auch zugleich eine Möglichkeit, sich der Suche nach dem Ideal anzuschließen.